Bäume als Urlauberattraktion?

Alter Baum
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Der Bildband „Alte Bäume“ von Anna Lewington und Edward Parker geht davon aus, dass die Edel- oder Esskastanie wahrscheinlich in Westasien domestiziert wurde und heute vor allem südlich der Alpen verbreitet ist: „Große alte Bäume finden sich auch in Frankreich und Spanien!“

Doch Castanea sativa wächst auch in einigen Regionen Deutschlands, etwa in der Pfalz, wo die stärkereichen Früchte von Jung wie Alt gerne gesammelt und liebevoll „Keschde“ genannt werden:

Keschde locken Einheimische wie auch Touristen an!

Selbst das Polit-Magazin „Spiegel Online“ befasste sich bereits mit diesem Phänomen und geht davon aus, dass sich die eifrigen Sammlerinnen und Sammler in der Südpfalz regelmäßig zur Kastanienzeit einen Wettlauf mit den Wildscheinen liefern.

Auch der Naturschutzbund NABU glaubt, dass die Esskastanie derzeit eine Renaissance erlebt und immer mehr Menschen auf den Geschmack kommen. Die könnte, in der Tat, auch dem berühmten Pfälzer Saumagen einen ganz besonderen Pfiff geben.

Laut NABU wachsen Esskastanien, als „Kinder des Südens“, heute vor allem in den Weinanbaugebieten entlang des Rheins: „Schwerpunkt ist die Pfalz, hier gibt es teils weitläufige Esskastanienwälder!“

Nicht nur beim Schlemmen ein Hit

Die sind auch für Wanderer ein Hit. So weist das Büro für Tourismus in Annweiler am Trifels auf seine einzigartigen Wanderwege und Esskastanienbestände hin, denen alljährlich mit dem Keschdefeschd ein Denkmal gesetzt wird. Denn dann bieten Restaurants, Cafés und Weinstuben Kastanienspezialitäten jeglicher Couleur an und können nicht nur Keschdesaumagen und Kastanienrollbraten, sondern auch Kastanientorten und –plätzchen verkonsumiert werden.

Damit hat die Frucht ihren einstigen Makel, das „Brot der Armen“ zu sein, längst abgesteift und kommt den Tourismusverbänden wie auch Marketingstrategen sehr gelegen. Schließlich weiß auch oben genannter Bildband, dass Esskastanien „eine Delikatesse für Fürsten und eine die Manneskraft hebende Speise für Landleute“ sind. Bei Frauen soll die Marone, die auch schlicht geröstet werden kann, zudem für einen frischen Teint sorgen … kein Wunder also, dass auch andere Regionen, etwa in Südtirol, ihre eigenen Kastanientage zelebrieren, wo ebenfalls leckere Kastanienmenüs mit Weinverkostungen und einem bunten Festtreiben kombiniert werden.

Doch lasst uns noch einmal zu den Esskastanien der Pfalz zurückkehren. Hier gibt es nach Auskunft des Büros für Tourismus in Maikammer sogar spezielle Themenwege wie den „Pfälzer Mandelpfad“ und den „Pfälzer Kastanienweg“, die sich mit den Naturdenkmälern und Bäumen der Region befassen.

Dabei wird gerade der Keschdeweg bei Wanderern zunehmend beliebter und führt über gut 50 Kilometer bis hinauf zur „Keschdeburg“, wie das Hambacher Schloss schon lange im Volksmund genannt wird.

Damit wird der Baum, der mit den Römern ins Land kam, nicht nur zu einem Wahrzeichen der Region, sondern auch zu einem touristischen Highlight, mit dem sich prächtig werben lässt, zu einer Attraktion, die Tagesgäste und Kurzurlauber spätestens im Herbst magisch in die Pfalz lockt!

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